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Weil wir auch mal über Gender Innovation nachgedacht haben…

Worüber man alles nachdenkt, während man das Konzept für die Plattform überarbeitet…

Wenn Männer diskutieren, wie Frauen im Netz stöbern wollen, dann wird das Bild von der marathonshoppenden und zwischendurch am Prosecco nippenden Frau heraufbeschworen, der man nicht all zuviel Technik zumuten darf. Der QVC Shoppingkanal gilt in diesen Kreisen als erfolgreichstes Beispiel dafür, wie man alles richtig macht und wird gerne als Leitmotiv genommen, das es online zu kopieren gilt. Bisher ist es aber lediglich gelungen die gezielte Produktsuche im Web umzusetzen, das Erlebnis eines Einkaufsbummels auf das Web zu übertragen, ist man noch nicht näher gekommen.

Angebote zu konzipieren, die auch die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen, scheint den überwiegend männlichen Akteuren im Netz sichtlich schwer zu fallen, sie sehen zwar das riesige Potential, aber es fehlt das Einfühlungsvermögen, um entsprechende Angebote zu gestalten. Die bvh-Zahlen für 2012 bestätigen das, der Umsatzanteil der Frauen sinkt bei den Pure Playern auf einen neuen Tiefstand von 42% (davor 46% und 44 %). Was bleibt ist Ratlosigkeit und der Ansatz ‚Shrink it and Pink it‘, oder im besten Fall noch der Versuch etwas am Design zu drehen.

Dass man sich einen echten Wettbewerbsvorteil erarbeitet, wenn man die Bedürfnisse von Frauen auch in Produktkategorien ernst nimmt, die außerhalb des tradierten Rollenbildes liegen, hat sich bisher nur theoretisch rumgesprochen. The Harvard Business Review hat kalkuliert ‚that marketing to women represents a bigger financial opportunity than India and China combined. We’re talking serious money here.‘ Es lohnt sich also nicht nur aus marketingstrategischen Erwägungen, sich mit der Zielgruppe „Frau“ näher auseinanderzusetzen.

Die Beschäftigung mit dem Thema online Stöberprozesse vs. offline Stöberprozesse führt direkt zum Thema Gender Innovation. In der online Welt steckt das Verständnis von Stöberprozessen quasi noch in den Kinderschuhen, was nicht verwunderlich ist, wenn man sich anschaut, wie reduziert das Nutzererlebnis im Web oftmals noch verstanden wird und zwar in erster Linie intuitiv zu bedienende Anwendungen, deren Sinn und Zweck sich dem Nutzer sofort erschließt. Ästhetik und Emotionalität der Erfahrung, die das Nutzungserlebnis für Frauen maßgeblich beeinflussen, bleiben dabei weitestgehend unberücksichtigt.

Das Nutzererlebnis beim Stöbern im Web erinnert deshalb oft an den Besuch eines Discounters, in dem man alles Gesuchte findet, der im besten Fall günstig ist, aber den man sicherlich nicht aufsucht, weil man sich ein schönes Stöbererlebnis erhofft. Dort, wo man dagegen als Kunde gerne bummeln geht, nämlich im stationären Einzelhandel in ansprechender Lage, legt man größten Wert auf die Produktpräsentation, Sortimentsauswahl und einer individuellen Ausgestaltung des Ladens. Es wird versucht eine Stimmung passend zum Produkt zu erzeugen, die die Zielgruppe anspricht und anzieht. Die Art der Präsentation lässt beim Kunden Rückschlüsse auf den Sortimentscharakter oder die Zielgruppe zu. Das funktionale Design und der immer gleiche Aufbau der Produktseiten im Web erzeugt dagegen keinerlei positiv besetzten Gefühle, sondern vielmehr ein Gefühl der Überforderung und Orientierungslosigkeit. Jeder bietet die ganze verfügbare Produktpalette, die überall auf die gleiche Weise präsentiert wird.

Da im Buchbereich alle versuchen mit ihren Webshops den Branchenprimus Amazon zu imitieren, wird dort noch weniger Wert auf Ästhetik und die Emotionalität der Erfahrung gelegt, als vielleicht in anderen Branchen, die nicht von so mächtige Vorbildern dominiert werden.
Allerdings sollte es alle stutzig machen, wenn ein Schlagbohrer und ein Buch auf die selbe Art und Weise präsentiert werden. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, an welchen Stellschrauben man drehen kann, um dem Kunden mit seinem Angebot nicht einfach nur die schlechtere Amazon Version zu liefern. Die Ironie dabei ist, dass in den stationären Buchhandlungen in der Vergangenheit viel Wissen und Erfahrung aufgebaut wurde, wie man eine Atmosphäre erzeugt, die zum Stöbern einlädt und wie man aus dem Besuch einer Buchhandlung ein Erlebnis macht. Auch wenn das Bild der gemütlichen Buchhandlung, der Insel im Getümmel der Innenstädte, mit dem Aufkommen der Buchhandelsketten etwas gelitten hat, so ist es trotzdem noch fest in den Köpfen der Leser und Leserinnen verankert.

Diese Atmosphäre und das dazugehörige Stöbererlebnis möchten wir mit dem Lovelybooks Relaunch dem Leser und der Leserin in Zukunft auch im Web ermöglichen. Der Blick durch die Gender Brille hat dabei sehr geholfen den Status Quo zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen. Ob man das nun unter den Begriff Gender Innovation stellt, oder einfach sagt, dass man das bestmögliche Buchportal mit dem angenehmsten Nutzererlebnis online bringen möchte, ist eigentlich egal, weil es auf das selbe hinausläuft.

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